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Kalypso Media hatte zuletzt mit Disciples: Liberation den ersten Teil der Reihe veröffentlicht. Das Spiel konnte mit interessantem strategischen Rollenspiel und coolen Nebenquests punkten. Der Nachfolger verspricht nun mehr von allem – darunter ein verbessertes Kampfsystem, mehr Chaos und natürlich wieder eine Welt, die vom Abgrund gerettet werden will. Wir polieren unsere Krone und machen uns daran, für euch zu testen, ob sich ein Kauf lohnt.

Wenn die Krone zu schwer wird

Im Nachfolger Disciples: Domination ist Avyanna zerrissen. Sie ist sich ihrer selbst nicht mehr sicher und hat Sorge, zu dem zu werden, was sie einst mit aller Kraft bekämpft hat. Dadurch verliert sie die Herrschaft, und auch Verbündete haben sich von ihr abgewandt. Zeit also, diese zurückzugewinnen und die Welt erneut vor dem sicheren Untergang zu bewahren.

Die Story nimmt eine ungewohnte und auch etwas gewöhnungsbedürftige Wendung. Die strahlende Heldin ist von Selbstzweifeln zerfressen, wirft mal eben alles hin und lässt damit ihr Reich Nevendaar – und somit die Rassen sowie den hart erlangten Frieden – im Stich. Das klingt etwas unglaubwürdig. Eher nach: Wie können wir jetzt eigentlich einen Nachfolger bauen? Ah ja, die Herrscherin wird dem Wahnsinn überlassen. Okay – Game of Thrones, Season 8 lässt grüßen.

Tiefgreifende taktische Entscheidungen

Das Spiel baut das Konzept des Vorgängers aus und schraubt dabei ordentlich an der Schwierigkeitsschraube. Das ist gleichzeitig gut und schlecht. Warum? Wie schon beim Vorgänger bedient sich das Spiel eines hexagonalen Spielfelds, auf dem man in rundenbasierter Manier die Einheiten gegeneinander antreten lässt. Hierbei wurden einige Cheese-Möglichkeiten direkt mal eliminiert: Im Vorgänger konnte man sich einfach an allen vorbei-stealthen und den Boss killen. Zack, Kampf vorbei. Das geht jetzt nicht mehr.

Das ist im Grunde auch nicht schlecht. Man muss sich mehr Gedanken machen und gut aufpassen, wie die Einheiten aufgestellt werden, wer wen cancelt und wer in dem jeweiligen Kampf besser nicht aufgestellt wird.

Schlecht ist hingegen die Art und Weise, wie man das dem Spieler nahebringt. Vieles muss man sich selbst zusammenreimen. Da wäre beispielsweise, dass man immer wieder von Effekten liest, die nicht näher beschrieben werden: Einheit ist inspiriert – okay, und was bringt mir das? Wenn ich auf die Einheit gehe, steht dann mit etwas Glück: „Ergibt höhere Motivation." Yay, und was bringt das jetzt genau? Das wird leider nicht erklärt. Es gibt auch kein Nachschlagehandbuch. Genau genommen gibt es eins, nur stehen solche Sachen leider nicht drin. Klar, man kann jetzt Mr. Google befragen, aber das sollte einem schließlich das Spiel selbst erklären.

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Fazit

Disciples: Domination macht gleichzeitig Sachen besser, aber auch manche Sachen schlechter als Liberation. Besser wäre hier die höhere taktische Spieltiefe bei den Kämpfen. Schlechter sind die generischen Nebenquests. Entscheidungen haben hier nicht wie im Vorgänger Einfluss auf die Gefährten. Das ist denen hier völlig egal.

Die Umsetzung für Konsole hätte durchaus mehr Liebe vertragen können. Manche Quests sind schwer zu entdecken, und der ohnehin schon kleine UI-Text bleibt auch hinter Scrollbalken so lange versteckt, bis man es schafft, diesen mit dem Mauscursor zu greifen und zu bewegen. Unschön.

Dennoch machen die Kämpfe und die vielfältigen Klassenvarianten echt Bock, und man fiebert am Ende doch etwas mit Avyanna mit und will – wie bei einer längeren Fantasyserie – wissen, wie es ausgeht. Die Gefährten an sich sind weiterhin interessant und bieten einiges an Backstory, die man sich anschauen kann.

Unter dem Strich ist Disciples: Domination ein Spiel, das sein Potenzial nicht ganz ausschöpft, aber dennoch genug bietet, um Fans von taktischen RPGs bei der Stange zu halten. Nur die Geduld mit der Konsolen-UI sollte man mitbringen.


Bewertung

Pro

  • Tiefere strategische Kämpfe
  • Coole Gefährten
  • Stimmiges Dark-Fantasy-Setting
  • Umfangreiche Build-Möglichkeiten des Hauptcharakters
  • Schöne Musik

Contra

  • Schriften auf Konsole weiterhin zu klein – ohne Einstellmöglichkeit
  • Zu wenige Tutorials
  • Ein Großteil der Quests ist nicht vertont
  • Teilweise etwas unfaire Balancing-Spitzen
  • Holprige UI-Anpassung für Konsole

Gafik 7 von 10
7/10
Sound 8 von 10
8/10
Gameplay und Zugänglichkeit 7 von 10
7/10
Umfang 8 von 10
8/10
Spielspaß 7 von 10
7/10
Story 7 von 10
7/10
7

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